Lehrtätigkeit

Ein Forschungsinstitut ist nicht nur eine Ansammlung von Computern, Büchern und Zeitschriften, sondern es ist primär ein Schmelztiegel, ein „salad bowl“ von jungen, kreativen Köpfen, die, wenn sie ankommen, in alle Richtungen denken, (fast) alles, was etabliert ist, aufkündigen und in drei bis vier Jahren in ihrer Dissertation alles wieder neu aufbauen müssen. In den vergangenen 25 Jahren haben – überwiegend mit wettbewerbs- und energierechtlichen Themen – 122 Doktoranden bei mir promoviert, darunter 17 mit summa cum laude. 20 Doktoranden befinden sich noch im Purgatorium, in der Vorhölle der Fertigstellung ihrer Arbeit.

I.

Die erste Generation der Berliner Assistenten, die mit mir 1994 von Kiel an die Freie Universität wechselte, nachdem ihre Vorgänger Marian Paschke, Detlev Joost, Kleanthis Roussos und Hartmut Oetker sich noch alle an der Universität Kiel habilitiert hatten und ordentliche Professoren geworden waren, bestand aus Jan Busche, Andrea Lohse und Jens Füller, denen sich später Frank Bayreuther und als Wirtschaftswissenschaftler Manuel Theissen hinzugesellten. Alle fünf haben sich habilitiert und wurden (mit einer Ausnahme) ordentliche Universitätsprofessoren.

II.

Die Assistenten der ersten Berliner Jahre wurden in der zweiten Generation abgelöst durch vier Assistentinnen, Urte Bruhn, Ute Caspar, Simone Kühnast und Marein Müller, die fast vergessen ließen, dass es gleichzeitig auch hochkompetente männliche Assistenten am Lehrstuhl gab, nämlich Jörg Jaecks und Thomas Dörmer. Die männlichen Kollegen mussten, was bei der ersten Generation der Assistenten noch nicht der Fall war, selber schmutzige Kaffeetassen abwaschen und nach Institutsfeten mit aufräumen und spülen. Alle vier Assistentinnen waren, um einen olympischen Vergleich zu wagen, eher mit Artemis als mit der scheuen Aphrodite vergleichbar. Sie waren kampfbereite Amazonen, die das Schwert emanzipierter Frauen scharfzüngig zu nutzen wussten. Es war eine Phase besonders lebendiger Diskussionskultur. Die männlichen Assistenten mussten so viel Kraft in diese Diskurse investieren, dass sie erst nach ihrem Ausscheiden summa cum laude-Dissertationen ablieferten. Alle sind – obgleich als erfolgreiche Anwälte „overbusy“ – dem Lehrstuhl aber nach wie vor durch WuW (=Wein und Wettbewerb)-Abende und Mitarbeit an den Kommentaren eng verbunden.

III.

Die zweite Generation der wissenschaftlichen Mitarbeiter wurde in dritter Generation abgelöst von zwei Sachlichkeit und Ruhe ausharrenden Assistenten, Holger Hoch und Christian Rehm, sowie fünf Assistentinnen: Katharina Boesche, Gesa Gosse, Meike Schöler-Birkenmaier, Claudia Viehweger (allen besser bekannt als Claudia Mühlenbernd) und Susanne Wende. Diese brachten eine unnachahmliche Mischung von Klugheit, Charme und Power mit. Gesa Gosse verhalf als „Hebamme“ der ersten Auflage des Berliner Kommentars zum Telekommunikationsrecht zum Licht der Welt. Claudia Viehweger war mit der Kraft ihres Lächelns das Harmoniezentrum des Instituts. Ihr verdankt es seine immaterialgüterrechtliche Kompetenz. Meike Birkenmaier und Susanne Wende bauten in ihren Dissertationen die europarechtliche Kompetenz des Instituts im Energie- und Beihilfenrecht auf und verkündeten, als es viele Energierechtler noch nicht hören wollten, unbequeme Wahrheiten über die Präsenz und Unentrinnbarkeit des EU-Rechts.

IV.

Die vierte Assistentengeneration hatte es schwer, nach so starken, temperamentgeladenen Frauen neue Höhen zu erklimmen. Ich war deshalb froh, dass neben drei Frauen auch wieder drei Assistenten mitwirkten. Zu dieser Generation gehören Lina Böcker, Kerstin Faber, Andrea Berndt, Jörg Meinzenbach, Ansgar Schönborn und Maik Wolf. Maik Wolf gehört zum Urgestein des Instituts. Sein unbändiger Wille, alte Dogmen und neue Gedanken in einem Dialog ohne Ende auf die Hörner zu spießen, hat in so manchem Mitarbeiter gelegentlich den Wunsch geweckt, ihn in sein Zimmer einzusperren, damit sorgsam aufgebaute Gedankengebäude nicht wieder wie ein Kartenhaus in sich zusammenfielen. Er ist der einzige, der aus dieser Assistentengeneration der Wissenschaft treu geblieben ist. Alle Assistenten dieser Generation haben – zum Teil unter erheblichen Geburtswehen, zum Teil so leicht, wie Athena mit voller Kampfesrüstung dem Kopf des Zeus entsprang – ihre Dissertationen mit summa cum laude beendet, dann aber die Arbeit in Unternehmen und Kanzleien der Einsamkeit und Freiheit der Forschung an der Universität vorgezogen. Ich freue mich, dass sie immer wieder zu Diskussionen zurückkehren, um am nie endenden und nie vollendeten Dialog der Wissenschaft teilzunehmen.

V.

Zur fünften Assistentengeneration gehört Jochen Mohr, inzwischen habilitiert und Professor für Wettbewerbs- und Energierecht an der Uni Leipzig; ferner Nadja Kaeding, die zunächst außeruniversitäre Freuden wie das Kinderkriegen dem Leben an der Uni vorzog, um dann doch noch, wie ihre exzellente Habilitationsschrift zeigt, dem süßen Gift der Universität zu erliegen; sodann Carsten König, geadelt durch eine summa cum laude-Dissertation zum neuen Energie-Infrastrukturrecht und durch einen an der Harvard University erworbenen LL.M. (2014 – 2017), sowie Genevieve Baker, unser zivilrechtliches Gewissen mit unbestechlichem dogmatischen Blick und trotz englischer Muttersprache mit besten deutschen Examina und einer glasklaren Dissertation zum Nutzungs- und Wertbegriff im Bereicherungsrecht.

VI.

Zur sechsten Assistentengeneration gehören Kim Sophie Mengering und Juliane Steffens, LL.M. (Harvard), beide bereits mit vielbeachteten Aufsätzen und Kommentierungen hervorgetreten, und Lajana von zur Gathen und Asja Krauser, die beide schon als studentische Hilfskräfte sozialisiert worden sind, sowie Frau Ass. iur. Xenia Zwanziger, LL.M. (Kapstadt), Anna Niehoff und Sophia Steffensen.

VII.

Ich hätte die rechtsvergleichenden Studien nicht ausbauen können ohne engen Kontakt zu ausländischen Wissenschaftlern. Für gute Kontakte zur russischen Energierechtswissenschaft sorgen Dr. Adel Aukhatov, Dr. Elena Timofeeva, Dr. Natalia Hohaus-Karpova, Dr. Renate Rabensdorf, Dr. Lina Berezgova und Dr. Maria Frommann (Zaykova) sowie weitere Doktoranden, die alle dank russischer Muttersprache die fachliche Verständigung mit unseren russischen Partnern ermöglichen.
Für die chinesische „Connection“ stehen Hui Huang, frühere Habilitandin in Berlin und heute Professorin an der Beihang University in Peking, sowie Xiaofei Mao, Referentin am CASS in Peking sowie acht chinesische Doktoranden und Postdoktoranden. Energierechtliche Beziehungen zu Norwegen und zum Vereinigten Königreich hält aufgrund eigener langjähriger Lehrtätigkeit in England Professorin Dr. Lydia Scholz, Bremen, die bei mir zum europäischen Umweltrecht eine wichtige Dissertation geschrieben hat.

VIII.

Last but not least sind die studentischen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen anzuführen, die durch unermüdliche, effiziente und loyale Mitarbeit die unentbehrliche Infanterie des Instituts gebildet haben. In Unternehmen gilt der Satz: „Umsatz ist nicht alles, aber ohne Umsatz ist nichts!“ Bei uns im Institut galt der Satz: „Studenten sind nicht alles; aber ohne Studenten ist nichts.“ Dieser Satz gilt auch für das Sekretariat, das in den letzten Jahren Katrin Staak souverän geleitet hat. In mitten aller Unruhe agierte sie als das Auge eines Zyklons. She is the island of continuity and confidence to everybody’s heart in no time. Für uns alle im Institut gilt die Maxime: „Don´t cry – work!“, oder um mit Sheryl Sandberg zu sprechen: „Lean In“ („Hängt euch rein!“).

IX.

In der Geschichte eines rechtswissenschaftlichen Forschungsinstituts gibt es keine größeren Ereignisse als eine Habilitation und eine summa cum laude-Dissertation: Freude und Glückwünsche begleiten die strahlenden Siegerinnen und Sieger, die ihre Ziele konsequent und beharrlich verfolgt haben nach der Devise von Hesiod: „Μακρός δέ καί όρθιος οίμος ες αυτήν.“ Seneca übersetzte dies in seiner Tragödie „Hercules furens“ mit den Worten: „Per aspera ad astra!“ Nur durch harte Mühen gelangt man zu den Sternen. Niemand der von mir habilitierten bzw. promovierten Personen stand aber je in der Gefahr, trotz der geistiger Strapazen, trotz der Qualen der Wahrheitssuche bei der Fertigstellung der Arbeit zu einem Hercules oder zu einer Hercula furens, zu einer wild gewordenen Furie zu werden.

In der Liste der habilitierten Schüler stehen mit Herrn Joost, Herrn Paschke, Herrn Roussos und Herrn Oetker Assistenten, die in Kiel habilitierten, und mit Frau Lohse, Frau Kaeding, Herrn Busche, Herrn Füller und Herrn Mohr Berliner Habilitanden. Nicht unerwähnt lassen möchte ich an dieser Stelle aber auch die zum Lehrstuhlkreis gehörenden mittelbar Habilitierten, die Professoren Ebenroth, der nach langer schwerer Krankheit 2014 verstorben ist, Runggaldier in Wien, Fan in Macao, Muranaka in Kyoto, Bayreuther in Passau und Theissen in München. Mein Freund Schmidt-Preuß wäre beleidigt, wenn ich ihn hier nicht mitaufführte.

X.

Bis zu meinem Ausscheiden als geschäftsführender Direktor des enreg am 30.06.2018 habe ich versucht, das Energie- und Regulierungsrecht zunächst auf der Grundlage des Kooperationsvertrages mit der FU Berlin nachhaltig zu fördern. Der Freien Universität sei dafür gedankt, dass sie vor 25 Jahren das Energierecht, als es noch einen Dornröschenschlaf im Schatten der Monopole führte, erweckt und die wissenschaftliche Begleitung der ersten kopernikanischen Wende des Energierechts, nämlich der kompetitiven Öffnung der Energiemärkte unterstützt hat. Seit 2014 hat die TU Berlin die Energiewissenschaften in energietechnischer, energieökonomischer und energiewirtschaftlicher Hinsicht ausgebaut. Ich habe deshalb meine Forschungs- und Weiterbildungstätigkeit an der TU Berlin fortgeführt und dort einen englischsprachigen Postgraduierten-Masterstudiengang „European and International Energy Law“ eingerichtet, an dem jedes Jahr ca. 20 – 30 junge Juristen aus aller Welt teilnehmen.